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Arbeit mit Teams - Themenzentrierte Interaktion PDF Drucken E-Mail
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Magazin - Berufswelt
Als Führungskraft sind sie verantwortlich dafür, dass Ihre Mitarbeiter gut miteinander arbeiten. Sie sind mitverantwortlich, dass die Mitglieder fair miteinander umgehen und gleichzeitig intensiv am Thema arbeiten.


 Themenzentrierte Interaktion

In der derzeitigen Diskussion um die Verbesserung der Lehre (Hochschulen, Schulen, Firmenseminare) lassen sich gegenläufige Trends ausmachen. Während in Öffentlichkeit und Politik vorwiegend ein "effektiveres" Lehren gefordert wird, geht es aus psychologischer, erziehungswissenschaftlicher Perspektive um den Wandel der Lernkulturen hin zu einem "lebendigeren" Lernen.

"Effektiver" bedeutet, dass mehr Wissen in gleicher Zeit und mit gleichem finanziellem Aufwand vermittelt werden soll. Dabei geht es um Fragen des "richtigen" Umgangs mit Gruppen, einer stärkeren Individualisierung und des lebenslangen, effizienten, funktionalen Lernens von Fachinhalten "on demand".


Lebendiges Lernen und TZI

Der Ansatz des lebendigen Lernens im Diskurs der themenzentrierten Interaktion (TZI) stellt dagegen grundsätzlich in Frage, dass es bestimmte allgemeingültige "Inhalte" gibt, die allen Menschen vermittelt werden sollten oder könnten.

Vielmehr wird Lernen aufgefasst als Prozess der Persönlichkeitsentwicklung und der Wissenskonstruktion durch gemeinschaftliches Handeln. Lernen soll "persönlich bedeutsam" sein. Trotz einer Betonung der individuellen Lerninteressen wird dabei ein gemeinschaftliches Lernen gleichgewichtig mitgedacht. Die subjektiven Perspektiven und die Eigenverantwortung der Lernenden werden in den Vordergrund gerückt.


Lehren und nicht belehren

 Ein Team besteht aus verschiedenen Individuen

Die Aufgabe von Lehrenden ist es nicht, zu belehren, sondern Lernwelten zu gestalten und zu modellieren, die es ermöglichen, neben trägem, leb- und leidenschaftslosem Detailwissen auch Methoden - und Sozialkompetenz zu erwerben. Das Besondere an TZI ist, dass die Gruppen- und Lernprozesse teilnehmerorientiert und interaktionell verlaufen.

TZI versucht, den sachbezogenen Lernprozess durch Inbezugnahme der einzelnen Personen, ihrer Verbindungen untereinander und ihres Umfeldes zu einem ganzheitlichen Prozess zu gestalten. So ist die themenzentrierte Interaktion aus psychologischen und pädagogischen Erfahrungen und Erkenntnissen für das Leiten, Arbeiten und Lernen in Gruppen entstanden. Leitern und Teammitgliedern bietet sie vielfältige methodische Hilfestellungen und Orientierung gebende Werte.


Leidenschaftlicheres Lernen

Themenzentrierte Interaktion ist ein systematischer Versuch, ganzheitliches, lebendiges Lernen in unterschiedlichen Situationen zu fördern. Als lebendig wird solches Lernen angesehen, das eine persönliche Bedeutung für die Lernenden hat und so deren natürliche Entwicklung fördert. Reine Wissensanhäufung wird zum "tötenden" Lernen. Das zentrale Anliegen der TZI ist, ein anregenderes, leidenschaftlicheres und damit nachhaltigeres Lernen einer Gruppe zu erreichen.

Sie kann überall dort eingebracht werden, wo mehrere Menschen gemeinsam an einem Thema arbeiten - also in Konferenzen, Besprechungen, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, Beratungen und Prozessbegleitungen. Die Psychoanalytikerin Ruth Cohn hat mit der Themenzentrierten Interaktion ein Konzept für die Gruppenarbeit entwickelt, das den Faktoren Selbsterfahrung und Aufgabenorientierung gleichermaßen Rechnung trägt.


Konflikte und konstruktive Lösungen

Vor allem kann die Kenntnis der Prinzipien der TZI dem Lehrenden und der Führungskraft nicht nur eine größere Sensibilität für die Vorgänge in Teams vermitteln, sondern auch einen höheren Grad an "authentischen" Verhalten ermöglichen. Wenn Mitarbeiter ihre sachlichen, thematischen Aufgaben erfüllen und ihre Überzeugungen verwirklichen wollen, ist es besonders wichtig, als Führungskraft ein tieferes Verständnis von Prozessen in Gruppen zu haben und konstruktive Lösungen in Konfliktsituationen anbahnen zu können.

Eine Gemeinschaft kann nur existieren, wenn unterschiedliche Menschen zusammenarbeiten und sich gegenseitig ergänzen. Für die Arbeit in und mit einem Team bedeutet dies die Suche nach einer Balance zwischen

Ich (Bedürfnissen, Fähigkeiten, dem Verhalten und der Persönlichkeit des Individuum)

Wir (der Interaktion, Kommunikation, Kultur und Dynamik des Teams) und

Thema (der Aufgabe, dem Anliegen, dem Auftrag, der Sache, dem Ziel der Arbeit)


Dreieck in der Kugel

Dieses Dreieck ist eingebettet in eine Kugel, die die Umgebung darstellt, in welcher sich das Team trifft. Diese Umgebung besteht aus Zeit, Ort und deren sozialen, ökonomischen und technischen Gegebenheiten (Globe). Eine Teamarbeit ist also zugleich personenbezogen, gruppenbezogen und sachbezogen. Die Balance ist immer empfindlich. Am Anfang einer TZI gestalteten Zusammenarbeit führen die vier Dimensionen zum Beispiel zu folgenden Fragen:

ICH: Was bringe ich mit, was für das Gelingen förderlich sein kann? Was trage ich bei?

WIR: Wann und wodurch wird miteinander lernen für mich / uns förderlich? Wann macht es Spaß?

THEMA: Was sind meine Anliegen? Was sind eigene und gemeinsame (Lern-) Ziele?

GLOBE: Was sind hinderliche / förderliche Rahmenbedingungen, die uns beeinflussen?

Lebendiges Lernen, kreatives Arbeiten und Problemlösen sind davon abhängig, das es dem Team und ihrem Leiter/ Moderator immer wieder gelingt, diese dynamische Balance herzustellen. In der Praxis werden den Mitarbeiter technische Regeln gegeben, die zugleich die jeweilige Arbeit und das Streben nach dem Bewusstsein von Autonomie und zwischenmenschlicher Verbundenheit fördern sollen.


Wichtige Orientierungsregeln

Die Bedürfnisse der Mitarbeiter dürfen ebenso wenig von den "Sachzwängen" einer Arbeitsgruppe überfahren werden, wie die Aufgabe durch zu viel Selbsterfahrung oder Gruppendynamik aus dem Blick geraten darf. TZI gibt eine Struktur vor, die vom Leiter vermittelt wird, für deren Realisierung aber auch jeder Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Verantwortung übernehmen muss.

Die angestrebte Balance zwischen Thema, Gruppengeschehen und persönlichen Bedürfnissen wird gefördert durch eine Reihe von Orientierungsregeln für die Gesprächsführung. Die wichtigsten Regeln ("Sei dein eigener Leiter" und "Störungen haben Vorrang") beziehen sich unmittelbar auf die Eigenverantwortung, die jedes Teammitglied trägt bzw. die es lernen sollte zu übernehmen.


Sei dein eigener Leiter!

Dies bedeutet:

- Sei dir deiner inneren Gegebenheiten und deines Umfeldes in jedem Augenblick bewusst.

- Nimm jede Situation als Angebot für deine Entscheidungen.

- Nimm und gib, wie du es verantwortlich für dich selbst und andere willst.

Dieses Postulat fordert dazu auf:

- Immer auf dem Lernweg zu sein, also mit dem Geiste eines Anfängers zu arbeiten und die Bereitschaft zu haben, sich zu ändern.

- Volle Selbstverantwortung für die eigenen Gedanken, Gefühle, Entscheidungen und Handlungen zu übernehmen.


Störungen haben Vorrang!

Wenn Störfaktoren nicht gelöst werden, wird der Arbeits- und Gruppenprozess verhindert oder erschwert.

Störungen können sein Zerstreutheit, Abneigung und Widerstände aber auch unausgesprochene Interessen.

Störungen sollen zur Sprache gebracht, thematisiert und gemeinsam gelöst werden, anstatt sie beiseite zu schieben, damit ihre Energie nicht unterschwellig unerwartete Auswirkungen hat. Störungen die nicht thematisiert werden, schwächen unterschwellig die Konzentration auf das eigentliche Vorhaben und binden Energie, die dann der Arbeit fehlt - die Leute sitzen dann zwar da in körperlicher Gegenwart, aber in geistiger und emotionaler Abwesenheit.

Offene und versteckte Konflikte belasten die Arbeitsatmosphäre, Machtspielchen kosten Zeit und Arbeitserfolge stellen sich nur schleppend ein.


Übersicht TZI-Regeln für Gruppengespräche:

1. Sei dein eigener Leiter, deine eigene Leiterin: übernimm die Verantwortung für dich selbst und für das, was du sagst und tust in der Gruppe - unter Berücksichtigung der Balance zwischen Ich, Gruppe, Thema und Randbedingungen.

2. Störungen haben Vorrang: Unterbrich das Gespräch, wenn du nicht mehr folgen kannst.

Vertritt dich selbst in Deinen Aussagen, geh von deinen persönlichen Erfahrungen aus.

4. Sei authentisch und selektiv, das heißt, mach dir bewusst, was du fühlst und denkst, und wähle aus, was du davon mitteilen möchtest.

5. Wenn du Fragen stellst, sage, warum du fragst. Halte dich bei anderen mit Interpretationen zurück, sprich stattdessen von deinen Reaktionen auf die anderen.

6. Gespräche mit den Nachbarn ("Seitengespräche") sollen in die Gruppe eingebracht werden.

7. Immer nur einen reden lassen, nicht zu lange reden, zum Thema sprechen!


Ein Team besteht immer aus Individuen

Ein Team besteht immer aus Individuen. Meist wird viel zu wenig beachtet, dass es sich bei einer Gruppe um einzelne Menschen handelt, die mit ihren ganz persönlichen Eigenschaften, Bedürfnissen und Verhaltensweisen und Spannungen aufeinandertreffen. Ein Team besteht immer aus verschiedenen Individuen, die alle ihre Geschichte, ihre Stärken und Schwächen - oder einfacher gesagt: ihre ganze Persönlichkeit mitbringen.


Arbeiten und lernen im Team 

TZI berücksichtigt den Einzelnen

Diese unterschiedlichen Personen treffen aufeinander und es entwickeln sich Sympathien und Antipathien, Zuneigung und Spannung, Freude und Konflikte. Bei all dem soll dieses Team nun aber ein Arbeitsziel verfolgen und möglichst schnell, effektiv, optimal, funktional und pragmatisch zu Ergebnissen kommen.



Machen Sie sich die drei Ebenen bewusst

Es ist sehr hilfreich, sich darüber im Klaren zu sein, dass in jedem Team diese verschiedenen Ebenen vorhanden sind. Wenn eigentlich ein Sachthema (z.B. die Arbeitsaufgabe) besprochen werden soll, aber jemand in einem Konflikt mit einem anderen steht, beeinflusst dies den Arbeitsprozess. Diese zwei Personen können in der Regel nicht sachlich miteinander reden und werden so die Effektivität der Arbeit beziehungsweise der Gruppe beeinträchtigen.

Genauso kann es sein, dass einzelne Teammitglieder ihre persönlichen Probleme mit ins Team bringen und so die Atmosphäre beeinflussen. Wenn wir das TZI-Modell im Kopf haben, können wir bestimmte Reaktionen oder Äußerungen besser einordnen. Das Modell der TZI kann uns dann dabei helfen, uns dieser Prozesse schneller bewusst zu werden, indem sich alle im Team immer wieder fragen, auf welcher Ebene sich eine Äußerung scheinbar und tatsächlich befindet.


Integration aller Ebenen als Ziel

Ein Übergewicht auf der Sachebene geht zu Lasten der individuellen Bedürfnisse und des Wir- bzw. Gemeinschaftsgefühls. Ein Übergewicht auf der Ich- oder auf der Wir-Ebene kann dazu führen, dass die eigentliche Arbeit vernachlässigt wird. Genau aus dieser Angst heraus, wird bei uns in der Regel großer Wert darauf gelegt, ausschließlich auf der Sach-Ebene zu agieren, um nur nicht das Arbeitsziel aus den Augen zu verlieren.

Ebenso will man natürlich auch Verletzungen vermeiden, wenn man zu sehr auf der Ich- oder Wir-Ebene agiert. Aber ein solches Vorgehen rächt sich: angestaute Frustrationen oder Schwierigkeiten abzuarbeiten dauern länger, als ihnen immer wieder kontinuierlich Raum zu geben.


Begrifflichkeiten der TZI für Klärung

Praktisch an einem Modell wie der TZI ist, dass damit alle Beteiligten gemeinsame Begriffe zur Verfügung haben, mit denen sie sich relativ emotionslos verständigen können. Wenn es zum Beispiel einmal überhaupt nicht weitergeht, kann einer in die Runde fragen: "Sagt einmal, auf welcher Ebene befinden wir uns eigentlich?" und alle wissen, was gemeint ist.

Auch wenn jemand mit schlechter Laune ins Team kommt und dort seine Wut an anderen auslässt, kann man diese Person behutsam darauf hinweisen, dass er oder sie wohl etwas aus dem persönlichen Kreis mit in die Teamarbeit gebracht hat. Dann könnte man fragen, ob diese Person kurz erzählen möchte, was ihn oder sie beschäftigt. Natürlich ist das Modell der TZI kein Garant für einen konstruktiven Umgang miteinander, aber sie stellt einfache Werkzeuge zur Verfügung.


Selbstreflexion durch TZI

Ebenso wie wir die Äußerungen anderer Menschen in die drei Ebenen einordnen können, so können wir auch unsere eigenen Empfindungen, Handlungen oder Äußerungen daraufhin analysieren. Die Klarheit, die wir durch eine solche Selbstanalyse gewinnen können, kann uns dabei helfen, Konflikte, Streits und Probleme schneller und besser zu lösen.

www.coachacademy.deDieser Artikel wurde uns von unserem Partner CoachAcademy zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf www.coachacademy.de




 
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