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Diskussion : Kaiser
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Kaiser
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Dieser Artikel befasst sich mit der monarchischen Titulatur "Kaiser"
Weiteres siehe: Kaiser (Begriffsklärung). Das deutsche Wort Kaiser leitet sich wie auch das russische bzw. slawische Zar von dem lateinischen Eigennamen Caesar ab und bezeichnete in Europa die ranghöchsten Monarchen
Chinas
Japans
Analog dazu wurde der Titel Kaiser auch auf die Herrscher Persiens
Äthiopiens
Koreas und Annams (Vietnams) angewandt und 1878 auch von den Königen Englands in ihrer Funktion als Herrscher Indiens angenommen
Der Kaisertitel wurde in der Regel nur solchen Monarchen zugestanden
die eine übernationale Herrschaft ausübten. Inhaltsverzeichnis showTocToggle("Anzeigen"
"Verbergen") 1 Die Entwicklung des europäischen Kaisertitels 1.1 Entstehung des Kaisertitels im antiken Rom 1.1.1 Sonderbedeutungen des Titels "Caesar" 1.1.2 Sakrale Stellung des Kaisertums 1.2 Der Kaisertitel im Fränkischen Reich 1.3 Die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches 1.4 Deutsche Kaiser 1.4.1 Ausrufung eines "Deutschen Kaiser" 1.4.2 Macht des Deutschen Kaisers 1.5 Der Kaisertitel in Byzanz 1.6 Kaisertitel auf dem Balkan 1.7 Kaisertitel in Russland 1.8 Das französische Kaisertum 1.9 Das Kaisertum in Österreich 2 Kaiser außerhalb Europas 2.1 Der Osmanische Sultan 2.2 Die Herrscher Annams 2.3 Kaiserreiche der Kolonialzeit 2.4 Mittelamerikanische Kaiserreiche 2.5 Das Kaisertum von Brasilien 2.6 Die Farce des Zentralafrikanischen Kaiserreichs 3 Liste der Kaiserreiche 3.1 Europäische Kaiserreiche 3.2 Außereuropäische Kaiserreiche 4 Siehe auch 5 Literatur [Bearbeiten]
Die Entwicklung des europäischen Kaisertitels
Der Wandel des Eigennamens Caesar zum Herrschertitel erfolgte in einem fast 100 Jahre dauernden Prozess vom Tod Gaius Julius Caesars 44 v
Chr. bis zum Amtsantritt des Kaisers Claudius im Jahr 41
Caesar und Augustus. Seit Beginn des europäischen Mittelalters wurde
Zur vollen römischen Herrschertitulatur gehörten seit Augustus die drei Bestandteile Imperator
je nach Epoche und Sprachgebiet einer dieser Titel zur Bezeichnung der höchsten Herrscherwürde verwandt
Die meisten germanischen Sprachen übernahmen die griechische Form von Caesar
Kaisaros
Daraus entwicklete sich das deutsche Wort Kaiser
etwa das italienische imperatore oder das französische empereur
In den romanischen Sprachen bezeichnet dagegen ein von Imperator entlehntes Wort den Kaiser
auf das auch das englische emperor zurückgeht
Auch im albanischen Wort mbret für "König" ist noch der Imperator zu erkennen. [Bearbeiten]
Entstehung des Kaisertitels im antiken Rom
Nachdem Gaius Julius Caesar in den Jahren 49-45 v
wagte er es nicht
sich den bei den Römern verpönten Königstitel zuzulegen
Chr. im Bürgerkrieg die Alleinherrschaft über Rom errungen hatte
Da die frühe Römische Republik aber für Notzeiten das außerordentliche Amt des Diktators gekannt hatte
ließ sich Caesar vom Senat zum Dictator perpetuus ("Diktator auf Lebenszeit") wählen. Zudem trug er den Titel Imperator
der sich von dem Begriff imperium herleitete und ursprünglich die militärische Befehlsgewalt über eine Legion bezeichnete
Zur Zeit der Republik konnte jeder Befehlshaber einer Legion von seinen Truppen zum Imperator ausgerufen werden
Später blieb der Titel allein den Kaisern vorbehalten
die Militärgewalt
Er bezeichnete die tatsächliche Quelle ihrer Macht
Als erster Kaiser der Geschichte gilt aber nicht Caesar
sondern sein Großneffe Gaius Octavius
der spätere Augustus
Dieser nahm nach Caesars Ermordung 44 v
da der Diktator ihn testamentarisch adoptiert hatte
Chr. dessen Namen an
Er nannte sich von 42 v
Chr. bis 38 v
Chr
dann bis 27 v
Gaius Iulius divi filius Caesar (also "Sohn des vergöttlichten Gaius Iulius Caesar")
Chr
Imperator Caesar divi filius mit dem Beinamen Octavian. Nachdem auch er alle Konkurrenten um die Macht ausgeschaltet hatte
verschleierte er seine faktisch königsgleiche Stellung durch den bescheiden klingenden Titel princeps
der zuvor als princeps senatuus den "Ersten des Senats"
als einen Ersten unter Gleichen bezeichnet hatte
nun aber als "Ersten Bürger" verstanden wurde
und daraus wiederum das deutsche "Prinz"
Aus diesem Titel gingen der französische und englische prince und das italienische principe hervor
die alle "Fürst" bedeuten
Für die angebliche "Wiederherstellung der Republik" verlieh der Senat Octavian 27 v
der "Erhabene"
unter dem er in die Geschichte eingegangen ist
Chr. den Ehrentitel Augustus
wurden in seiner Familie erblich
so dass der Prinzipat de facto eine Monarchie darstellte
sondern auch seine Staatsämter
die höchsten in Rom
Nicht nur seine Beinamen Caesar und Augustus sowie sein Titel Imperator
Seit Kaiser Claudius wurde der Name Caesar endgültig zum Bestandteil der römischen Herrschertitulatur
In der Spätantike wandelte sich die Bedeutung des Titels Augustus
also Seniorkaiser
denen ein eigener Herrschaftsbereich unterstand
Seit der Tetrarchie Kaiser Diokletians existierten teils zwei Augusti
Seit Valentinian I. herrschte ein Kaiser im Westen
ein anderer im Osten
Diese Entwicklung wurde nach dem Tod Theodosius I. endgültig. [Bearbeiten]
Sonderbedeutungen des Titels "Caesar"
Seit der Zeit von Kaiser Hadrian wurde der Titel Caesar auf den designierten Nachfolger des Herrschers angewendet
Die Reichsreform unter Kaiser Diokletian sah eine Vierherrschaft (Tetrarchie) von jeweils zwei Seniorkaiser (Augusti) und zwei diesen untergeordneten Juniorkaisern (Caesares) vor
Valentinian I. erhob seinen Sohn Gratian gleich zum Augustus
Im byzantinischen Reich blieb Caesar Teil der offiziellen Kaisertitulatur bis Justinian II.
Anschließend taucht er weiterhin als besonderer Ehrentitel auf
fast ausschließlich innerhalb der kaiserlichen Familie
Unter Alexios I
Komnenos verliert der Titel diese Bedeutung und wird später zu einem Ehrentitel abgewertet. [Bearbeiten]
Sakrale Stellung des Kaisertums
das schon Caesar innegehabt hatte
des Pontifex Maximus gehört
Zu den höchsten Staatsämtern im antiken Rom hatte auch das des Oberpriesters
Es verlieh seinen und Augustus' Nachfolgern neben ihrer säkularen auch eine sakrale Würde
die bereits im Alten Orient begonnen hatte
Die sakrale Würde des Kaisertum konnte auf eine lange Tradition zurückblicken
Bereits Caesar war vergöttlicht worden und diese Linie wurde im antiken Rom fortgeführt
Sie gipfelte schließlich in dem rigiden Hofzeremoniell der Spätantike
Nach der Christianisierung unter Konstantin dem Großen wurde zwar der heidnische Titel Pontifex Maximus abgelegt (wenn auch erst unter Gratian und Theodosius I.)
die Sakralität der Kaiserwürde blieb davon aber weitgehend unangetastet
zuweilen als Sakrament verstandenen Riten ihrer Krönung eine priestergleiche Stellung ab
die höchsten weltliche Würdenträger und dem Papst gleichgestellt zu sein
Auch die byzantinischen Kaiser
die russischen Zaren und die Kaiser des Heiligen Römischen Reichs leiteten aus den sakralen
sowie den Anspruch
führte im Abendland im 11
Dieser Anspruch und die damit verbundenen Eingriffe der Kaiser in den kirchlichen Bereich
dem Investiturstreit
in dem letzteres sich weitgehend durchsetzte und später gar selbst für sich in Anspruch nahm
Jahrhundert zu einem schweren Konflikt zwischen dem römisch-deutschen Kaisertum und dem römischen Papsttum
über das Kaisertum und sogar die Wahl des Rex Romanorum zu verfügen
Dieser Anspruch wurde jedoch im 14
Jahrhundert endgültig abgewiesen (siehe Goldene Bulle)
wenn auch nicht in dieser Härte
Aber auch in den anderen abendländischen Königreichen kam es
zu einem Disput
Im Osten - sowohl in Byzanz als auch in Russland - gelang es den Kaisern und den Zaren dagegen stets
den Vorrang vor den Patriarchen ihrer jeweiligen orthodoxen Kirchen zu wahren. [Bearbeiten]
Der Kaisertitel im Fränkischen Reich
Nach dem Untergang des Weströmischen Reichs und der Absetzung seines letzten Kaisers Romulus Augustulus im Jahr 476 riss die Kaisertradition im Westen zunächst ab
und Justinian I. (527-565) vermochte durch die Eroberung von Teilen Italiens
nunmehr die rechtmäßigen Herrscher des gesamten Römischen Reiches zu sein
Die oströmischen Kaiser erhoben den Anspruch
Spaniens und Nordafrikas diesen Anspruch zeitweilig auch machtpolitisch zu untermauern
Im 7. und 8
Jahrhundert jedoch war dieser byzantinische Anspruch im Westen angesichts der erstarkenden germanischen Königreiche der Franken oder Langobarden sowie angesichts der islamischen (Islam) Eroberung Nordafrikas und großer Teile Spaniens nur noch theoretisch
und 812 erlangte Karl der Große auch die Anerkennung der Gleichrangigkeit seines Kaisertitels vom byzantinischen Kaisertum. Karl der Große nannte sich serenissimus Augustus a deo coronatus magnus
imperator romanum gubernans imperium
"allergnädigster
der das römische Reich regiert
pacificus
qui et per misericordiam dei rex Francorum et Langobardorum
von Gott gekrönter
durch Gottes Barmherzigkeit auch König der Franken und Langobarden"
Die Kaiserkrönung des Frankenkönigs Karls des Großen am Weihnachtstag des Jahres 800 in Rom wurde daher als machtpolitisch begründete Wiederherstellung des (West-)Römischen Reichs (restauratio imperii) betrachtet
Friede bringender Kaiser
erhabener
großer
Vor allem die Herrschaft über das langobardische (= lombardische) Königreich Italien wurde seither zum machtpolitischen Schlüssel des norditalienischen Kaisertums
Dieses wurde während des 9
wobei zuletzt zwei ostfränkische (deutsche) Karolinger-Könige - Karl III. (Karl der Dicke
Jahrhunderts in verschiedenen Linien der Karolinger weitertradiert
887-888) und Arnulf von Kärnten (896-899) - zu Kaisern aufstiegen
geriet jedoch mit dem Machtverfall der Karolinger im frühen 10
um nach 924 für knapp drei Jahrzehnte vollends außer Gebrauch zu kommen. [Bearbeiten]
Jahrhundert in die Hände burgundischer oder norditalienischer Machthaber
Die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
Nach seiner Eroberung Norditaliens 951/52 war es der deutsche König Otto I. (Otto der Große)
der 962 mit seiner Kaiserkrönung durch den Papst in Rom die Tradition des Römischen und des Karolingerreiches wiederbelebte
Seither betrachteten sich alle deutschen Könige bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806 als einzig berechtigte Nachfolger der römischen Caesaren und als weltliche Oberhäupter der Christenheit
was entsprechende Geld- und Machtmittel voraussetzte
Zur Erlangung der Kaiserkrone war jedoch während des gesamten Mittelalters ein aufwendiger Romzug zur Krönung durch den Papst erforderlich
daß etliche deutsche Könige erst nach Jahren oder Jahrzehnten den Kaisertitel erlangten und daß eine ganze Reihe weiterer Könige diesen Titel niemals erhalten konnte
Dadurch erklärt sich
Insbesondere zwischen 1250 und 1313 und nochmals zwischen 1378 und 1433 gab es jahrzehntelange "kaiserlose" Phasen
der 1493 verstarb
waren 1433 der Luxemburger Sigismund und 1452 der Habsburger Friedrich III.
Die letzten deutschen Könige
die sich in Rom von Päpsten zu römischen Kaisern krönen ließen
doch durfte er 1508 mit päpstlicher Genehmigung den Titel "Erwählter Römischer Kaiser" annehmen
Dessen Sohn und Nachfolger Maximilian I. gelang hingegen kein Romzug
den seither sämtliche deutschen Könige bis 1806 ab ihrem königlichen Herrschaftsantritt führten
der dorthin reisen mußte
statt wie bisher Gastgeber des künftigen Kaisers zu sein
sondern in Bologna - als gezielte Demütigung des Papstes
Maximilians Enkel und Nachfolger Karl V. war der letzte deutsche König
der sich 1530 nochmals von einem Papst zum Kaiser krönen ließ - allerdings nicht mehr in Rom (das er 1527 hatte erobern und plündern lassen)
Karls Bruder und Nachfolger Ferdinand I. verzichtete bei Herrschaftsantritt 1556 vollends auf eine päpstliche Krönung
sondern führte mit Zustimmung der Kurfürsten fortan als deutscher König automatisch auch den römischen Kaisertitel
Der päpstliche Protest verhallte ungehört
alle Nachfolger Ferdinands I. handelten bis 1806 ebenso
Zwischen ihrer Wahl und ihrer Krönung zum deutschen König trugen diese Monarchen den Titel "Römischer König"
sofern ein solcher schon zu Lebzeiten des Vorgängers gewählt wurde. Auch der Titel "Augustus" ("Erhabener") blieb den Herrschern des Heiligen Römischen Reichs erhalten
Dieser war auch der Titel des gewählten Thronfolgers eines Kaisers
vergrößern) her
Allerdings leitete man im Mittelalter
das Wort von seiner ursprünglichen lateinischen Verbform augere (für vermehren
Daher wird der Titelbestandteil "Semper Augustus" der römisch-deutschen Kaiser im Mittelalter in der Regel mit "Allzeit Mehrer des Reichs" übersetzt
in der Neuzeit auch mit "Allzeit erhabener Kaiser"
Siehe auch: Rex Romanorum [Bearbeiten]
Deutsche Kaiser
"Deutscher Kaiser" war ab 1871 der Titel des Staatsoberhaupts der Erbmonarchie "Deutsches Reich" (siehe auch Liste der Staatsoberhäupter des Deutschen Reiches)
Friedrich III. und Wilhelm II
Titelträger waren die drei Hohenzollernkaiser Wilhelm I.
Der Titel erlosch mit der erfolgreichen Ausrufung des Deutschen Reiches zur Republik am 9
November 1918 durch Philipp Scheidemann. [Bearbeiten]
Ausrufung eines "Deutschen Kaiser"
Nach dem Sieg Preußens und seiner deutschen Verbündeten über Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde der "König von Preußen"
am 18
Wilhelm I.
Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses Versailles zum "Deutschen Kaiser" proklamiert
Dies geschah gegen seinen ursprünglichen Willen
denn unmittelbar davor war es darüber zwischen Wilhelm I. und seinem Ministerpräsidenten Otto von Bismarck zu einer schweren Auseinandersetzung um den exakten Titel gekommen
hatte er den Kaisertitel ursprünglich ablehnen wollen
bevorzugte aber im Falle seiner Annahme den Titel "Kaiser von Deutschland"
Da der König sich weniger als Deutscher denn als Preuße verstand
Dies hätte allerdings als Anspruch auf nicht zum Reich gehörige deutschsprachige Gebiete - etwa Österreichs - ausgelegt werden können
aber auch als weitreichender Herrschaftsanspruch gegenüber den übrigen deutschen Bundesfürsten gedeutet werden können
Um dieses Konfliktpotenzial von vornherein auszuschalten
bestand Bismarck auf der Titulatur "Deutscher Kaiser und König von Preußen" und setzte sich schließlich durch
Beim die Proklamation abschließenden Kaiserhoch der auf Schloss Versailles anwesenden deutschen Souveräne - die damit die Zustimmung einer "Konstituante" wahrnahmen) -
der Großherzog von Baden
also in einem verfassungsrechtlichen und persönlichen Dilemma
sah sich ihr Sprecher
Vermutlich von Bismarck beraten
indem er das allgemeine Hoch auf den "Kaiser Wilhelm" ausbrachte. [Bearbeiten]
löste er es
Macht des Deutschen Kaisers
Sachsen und Württemberg und der der Republiken Bremen
hatte der "Deutsche Kaiser" staatsrechtlich nur die Stellung des dortigen "Bundespräsidenten"
Lübeck und Hamburg) kollidiert hätte. Der deutsche Kaisertitel war mithin verfassungsrechtlich lediglich ein klingender Name für die eher nüchterne Funktion des preußischen Königs als Präsident des Bundesrates deutscher Fürsten und Freien Städte - dem formell höchsten Verfassungsorgan zunächst ab 1867 des "Norddeutschen Bundes" und ab 1871 des um Süddeutschland erweiterten Deutschen Reiches
Da 1871 im Wesentlichen die Verfassung des Norddeutschen Bundes als Reichsverfassung übernommen wurde
was mit der teilweise beibehaltenen Souveränität der Einzelstaaten (so mit derjenigen der Königreiche Bayern
war also eben nicht "Kaiser von Deutschland"
Sachsen und Württemberg eine Rangerhöhung dar und führte auf internationaler Ebene zu einer Rangangleichung des preußisch-deutschen Monarchen mit den Kaisern von Russland und von Österreich
Gleichwohl stellte dieser Kaisertitel für den preußischen Monarchen gegenüber den innerdeutschen Königen von Bayern
Ergänzt wurde dieser Titel in dem von Bismarck entworfenen Manifest zur Kaiserproklamation durch einen Rückgriff auf die mittelalterliche Form des "Semper Augustus"
Freiheit und Gesittung
Der neue Kaiser wurde darin bezeichnet als Allzeit Mehrer des deutschen Reiches
sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt
nicht an kriegerischen Eroberungen
Alsbald gewann der Titel an öffentlicher Bedeutung durch die sich an ihn knüpfende "Reichsromantik" seit den "Freiheitskriegen" gegen Napoleon I.
Namentlich unter dem propagandistisch begabten letzten Deutschen Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) gewann der Kaisertitel gegenüber dem preußischen Königstitel das Übergewicht und wurde zum Symbol der Einheit der Nation
Politisch jedoch war der Deutsche Kaiser als König des weitaus größten Bundesstaates (Preußens) immer mächtiger als staatsrechtlich
der 1917 faktisch von der Militärdiktatur Ludendorffs abgelöst wurde. [Bearbeiten]
Diese Macht erodierte jedoch unter der langen Regierung Wilhelms II. (1888-1918)
Der Kaisertitel in Byzanz
Im Oströmischen oder Byzantinischen Reich bestand die römische Kaisertradition nach dem Ende der Antike noch rund 1000 Jahre fort - bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahre 1453
Unter Kaiser Herakleios (610-641) wurde anstelle des lateinischen Augustus Imperator der griechische Titel Basileus eingeführt
was der stärker werdenden Gräzisierung des Reiches Rechnung trug
Rechtsnachfolger der antiken römischen Kaiser zu sein
gab der jeweilige Basileus von Byzanz niemals auf
Den staatsrechtlich begründeten Anspruch
machten die Kaiser in Konstantinopel diesen Anspruch noch einmal verstärkt deutlich
vermutlich als besondere Abgrenzung zum durch Karl den Großen im Jahre 800 erneuerten west-römischen Kaisertum (was in der Forschung allerdings strittig ist)
Mit der seit 812 erweiterten Titulatur Basileus ton Rhomaion
"Herrscher der Römer"
Titel der byzantinischen Hauptkaiser war auch Autokrator
während Basileus - namentlich seit dem 10
Jahrhundert - an Mitkaiser vergeben wurde
Während der Kreuzzüge wurde Konstantinopel auf Betreiben Venedigs 1204 von den Kreuzfahrerheeren eingenommen
ein vom päpstlichen Rom und Venedig abhängiger
In Konstantinopel und weiteren von den "Lateinern" (Katholiken) beherrschten Gebieten entstand das sogenannte Lateinische Kaiserreich
vor allem von französischen Adligen regierter Kreuzfahrerstaat
Derselbe sah sich faktisch - sowohl durch erfolgreiche "griechische" Gegenoffensiven als auch durch das Unabhängigkeitsbestreben der eigenen "fränkischen" Vasallen - sehr bald auf die Hauptstadt Konstantinopel beschränkt
der letzte Kaiser Balduin II. (1228-1261) verstarb 1273 im Exil
Mit deren Rückeroberung durch die griechischen Kaiser von Nikaia 1261 endete das Lateinische Kaiserreich
Sein Sohn Philipp von Courtenay hielt jedoch seinen Anspruch auf den Thron als Titular-Kaiser aufrecht (+ 1283)
den Fürsten von Tarent (+ 1366)
seine Enkelin Katharina II. (+ 1346) vererbte den lateinischen Kaiser-Titel an ihren Sohn Robert von Anjou
Nach dem Aussterben der tarentinischen Anjou 1373 fiel das Titular-Kaisertum an Jakob von Beaux
Herzog von Anjou (+ 1384)
nach dessen Tod an den französischen Prinzen Ludwig
Dessen Sohn Ludwig II. von Anjou scheint 1384 als Letzter Anspruch auf den kaiserlichen Titel erhoben zu haben
das im 14. und 15
Dieses jüngere Haus Anjou
Jahrhundert mit wechselndem Erfolg auch Anspruch auf die Königskrone von Sizilien (genauer: auf das Teilreich von Neapel) erhob
Sizilien und Aragon auch die Ansprüche auf den lateinischen Kaisertitel geerbt hatte
starb 1480 mit Graf Rene von der Provence aus
der als Titularkönig von Jerusalem
und über diese wiederum das österreichische Kaiserhaus Habsburg-Lothringen
Diese fielen letztlich - ohne daß sie offensichtlich noch geltend gemacht worden wären - an Renes Erben: die Könige von Frankreich und die Herzöge von Lothringen und Bar
Nach der Eroberung Konstantinopels 1204 hatten sich in scharfer Opposition zum Lateinischen Kaiserreich etliche "griechische" (d.h. orthodoxe) Nachfolgestaaten gebildet
unter denen einige den Anspruch auf den vakant gewordenen byzantinischen Kaisertitel erhoben
dem es schließlich gelang
Der mächtigste Teilstaat war das zuerst von den Laskariden
dann ab 1258/59 von den Palaiologen regierte Kaiserreich von Nikaia (lateinisch auch: Nicäa)
Konstantinopel 1261 zurückzuerobern und das Byzantinische Reich unter der Dynastie der Palaiologen für nochmals fast zwei Jahrhunderte wieder zu errichten
Der letzte byzantinische Kaiser Konstantin XI
Palaiologos (1449-1453) kam während der Eroberung seiner Hauptstadt durch die Osmanen im Kampf ums Leben
Seitenzweige der Palaiologen-Dynastie überlebten langfristig in Italien (Markgrafen von Montferrat) und bis heute in Frankreich; aus letzterer Linie stammen einflußreiche Personen wie der auch schriftstellerisch begabte Botschafter am Zarenhof Maurice Paléologue (1859-1944)
der im Ersten Weltkrieg eine wichtige politische Rolle spielte
sowie das im nördlichen Kleinasien gelegene Kaiserreich Trapezunt
das von Nachfahren der bis 1185 in Byzanz regierenden Kaiserdynastie der Komnenen beherrscht wurde
Weniger erfolgreich waren - trotz besserer dynastischer Ansprüche - die konkurrierenden Staaten von Thessaloniki
dessen Herrscher aus der bis 1204 regierenden byzantinischen Kaiserdynastie der Angeloi stammten und zwischen 1215 bis 1240 ebenfalls Anspruch auf den Kaisertitel erhoben
teils in untergeordnete Teilfürstentümer (Despotate) zerfiel
konnte Trapezunt seine Eigenständigkeit sogar länger als das 1453 von den Osmanen eroberte Byzantinische Reich behaupten. Ähnlich wie dieses in seiner Spätzeit war allerdings auch Trapezunt längst zu einem türkischen Vasallenstaat geworden - zuerst abhängig vom kleinasiatischen Sultanat Ikonium (Konya)
Während Tessaloniki teils von Nikaia erobert wurde
dann von den Osmanen
setzten den letzten "Großkomnenen" David Komnenos (1458-1461) ab und ermordeten den Exkaiser und seine Familie 1466. [Bearbeiten]
Diese erzwangen 1461 die Kapitulation von Trapezunt
Kaisertitel auf dem Balkan
Das byzantinische Vorbild wirkte sich im Hochmittelalter auf größere Reichsbildungen slawischer Völker auf dem Balkan aus
die in offener Konkurrenz zum byzantinischen Kaisertum ebenfalls den Kaiser- bzw
Zarentitel annahmen
Der erste Versuch dieser Art war der des Bulgaren-Chans Simeon I. (+927)
der 917 den Titel "Zar der Bulgaren und Griechen" annahm
Dieses bulgarische Kaiserreich wurde jedoch hundert Jahre später (1018) durch die Byzantiner wieder zerstört
Die Dynastie der Aseniden knüpfte an die Zarentradition 1185 wieder an
doch dieses zweite Bulgarische Reich verlor im 14
längst bevor es 1393 von den Osmanen erobert wurde
Jahrhundert an Macht und Bedeutung
Stattdessen wurde damals das Königreich Serbien zum neuen Herausforderer von Byzanz
dessen Herrscher Stefan Duschan (+1355) im Jahre 1346 demonstrativ den Kaisertitel annahm
schon bevor die Osmanen die Serben ihrer Herrschaft unterwarfen
Dieses Kaiserreich zerfiel jedoch nach dem plötzlichen Tode seines Gründers rasch
nahm der bisherige Fürst Ferdinand I. in Anknüpfung an die mittelalterliche Großreich-Tradition den Zarentitel wieder an
Als das seit 1878 autonome Fürstentum Bulgarien 1908 seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erklärte
Auch Konstantinopel hätten die Bulgaren im Ersten Balkankrieg von 1912/13 beinahe erobert
Diese überzogenen imperialen Ambitionen konnte Bulgarien jedoch angesichts starker konkurrierender Nachbarn niemals mehr umsetzten
und auch international wurde der Zarentitel nicht anerkannt
Stattdessen firmierten die Herrscher Bulgariens von 1908 bis 1946 gegenüber dem Ausland als Könige. [Bearbeiten]
Kaisertitel in Russland
So wie sich zunächst die fränkischen und später die deutschen Könige als Nachfolger der Weströmischen Kaiser sahen
so betrachteten sich die Großfürsten von Moskau seit dem Fall von Konstantinopel als rechtmäßige Erben des oströmischen Kaisertums
Sie waren nun die angesehensten Herrscher orthodoxen Glaubens
und Großfürst Iwan III. hatte 1472 Zoe (russ
eine Nichte des letzten Kaisers von Byzanz Konstantin XI
Sofia)
Paläologos geheiratet
Unter Iwan III. wurde die Idee von Moskau als Drittem Rom formuliert und der Titel "Zar" erstmals verwendet
Im Jahr 1547 ließ sich Großfürst Iwan IV. der Schreckliche offiziell zum Zaren von ganz Russland krönen
Zar Peter I. (Peter der Große) nahm 1721 zusätzlich den kaiserlichen Titel "Imperator" bzw. "Kaiserliche Majestät" (Imperatorskoye Velychestvo) an
Seither wurde den russischen Herrschern auch im westeuropäischen System der Höfe und der Diplomatie der Kaiser-Titel zuerkannt
im Jahr 1917. [Bearbeiten]
Beide Titel - Imperator und Zar - trugen die russischen Kaiser bis zum Sturz des letzten Herrschers aus dem Haus Romanow
Nikolaus' II.
Das französische Kaisertum
ein Königreich gewesen
Frankreich war seit den Tagen der westfränkischen Karolinger und der seit 987 regierenden Kapetinger
von denen alle später regierenden Dynastien bis zu den Bourbonen und den Orleans abstammten
Wenn auch ein westfränkischer Karolinger des 9
Jahrhunderts - Karl II. der Kahle - kurzfristig die römische Kaiserkrone getragen hatte und spätere französische Könige wie Franz I.
der langjährige Gegner des Habsburgers Karl V. im 16
Jahrhundert
mit deren Erwerb liebäugelten
hatte Frankreich keine Kaiser-Tradition
Dies änderte sich erst mit dem 1792 erfolgten Sturz des französischen Königtums in der Französischen Revolution
Im Jahr 1804 versuchte der damalige Militärdiktator Napoléon Bonaparte
seit seinem Putsch von 1799 1
Konsul der Französischen Republik
eine eigene monarchische Tradition zu begründen. Ähnlich wie der Konsuls-Titel auf antike Traditionen der römischen Republik verwies
nahm auch der von Napoleon I
1804 angenommene Kaisertitel (Empereur) auf die antike römische Tradition des Militär-Kaisertums Bezug
die schon Karl der Große getragen hatte
Durch die Verklammerung dieses nach-revolutionären französischen Kaisertums mit der 1805 neugeschaffenen Königskrone von Italien (faktisch Nord- und Mittelitalien) knüpfte Napoleon zugleich an karolingische Traditionen an
zumal die italienische Königskrone die alte Langobardenkrone war
wobei allerdings letztere in Form einer "Krönung aus eigener Kraft" überwog
Indem Napoleon sich 1804 in der Kirche Notre Dame in Paris im Beisein des Papstes Pius VII.
der jedoch am eigentlichen Krönungsakt nicht mitwirkte
ging es offensichtlich um eine Synthese aus sakraler Legitimation und individueller Leistungs-Legitimation
mit eigener Hand zum "Kaiser der Franzosen" krönte
Dieses napoleonische Kaisertum wurde für zahlreiche postrevolutionäre Militärkaisertümer der Folgezeit (siehe Haiti
bedingt auch Brasilien) vorbildlich
Mexiko
viel später noch Zentralafrika
Selbst die schon erwähnte deutsche Kaiserproklamation von 1871 entbehrte - trotz ihrer letztlich anderen Grundlagen der alten preußischen Militärmonarchie und der bundesfürstlichen Antrags-Fiktion - nicht des Nimbus eines großen militärischen Sieges (ausgerechnet über das napoleonisch-kaiserliche Frankreich)
Das Kaisertum Napoleons I. basierte auf dem Nimbus des siegreichen
genialen Feldherrn
die 1814/15 zweimal gegen eine gesamteuropäische Koalition zusammenbrach
erodierte die Legitimität seiner Herrschaft
Sobald Napoleon diese Siege nicht mehr garantieren konnte
Napoleons Neffe Louis Napoleon Bonaparte
vom Ruhme seines verstorbenen Onkels zehrend zum Präsidenten der zweiten Französischen Republik gewählt zu werden
welche das "Bürgerkönigtum" der Orleans beseitigt hatte
der sich später Napoléon III. nannte
vermochte nach der Revolution von 1848
1851 machte er sich durch einen Putsch zum Präsidenten auf Lebenszeit
1852 proklamierte er am Krönungstag Napoleons I. die Restauration des bonapartistischen Kaisertums
Dieses sogenannte "2
doch es basierte daneben ähnlich wie das erste Kaiserreich sehr stark auch auf militärischem Erfolg
Kaiserreich" basierte auf großzügiger Förderung des bourgeoisen Kapitalismus bei gleichzeitiger plebiszitärer Einbeziehung katholisch-ländlicher Schichten
Folgerichtig endete auch dieses Militärkaisertum des persönlich wenig militärischen Napoleon III. mit einer militärischen Katastrophe - Frankreichs Niederlage bei Sedan im Deutsch-Französischen Krieg von 1870
die den sofortigen Sturz des Kaisers zur Folge hatte. [Bearbeiten]
Das Kaisertum in Österreich
dass Napoleon I
Um zu verhindern
die Reichskleinodien von Nürnberg nach Wien überführen lassen
der Habsburger Franz II.
1804 zu seiner Krönung die Insignien des Heiligen Römischen Reichs benutzte und sich so in dessen altehrwürdige Kaiser-Tradition stellen konnte
als sie kurzfristig nach Nürnberg zurückkehrten - bis heute in der Schatzkammer der Hofburg aufbewahrt werden
hatte der damalige römisch-deutsche Kaiser
wo sie - abgesehen von einer Unterbrechung während der Zeit des Nationalsozialismus
um eine mögliche Wahl Napoleons zu seinem Nachfolger von vornherein auszuschließen. Da der Habsburger protokollarisch nicht hinter den anderen europäischen Erbkaisern - dem "Emporkömmling" Napoleon
hatte er angesichts des zerfallenden Heiligen Römischen Reiches schon im Jahre 1804 den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich angenommen
aber auch dem russischen Zaren - zurück stehen wollte
Kaiser Franz II. legte 1806 die Krone des Heiligen Römischen Reiches nieder und erklärte zugleich dieses Reich für erloschen
der mit keinerlei Krönungsakt verbunden war
war eigentlich traditionslos
Dieser neugeschaffene Kaisertitel
obwohl eine Kaiserkrone existierte
hob jedoch auf die in weiten Bevölkerungskreisen längst gegebene Identifikation des seit dem 15
Jahrhundert fast ununterbrochen von den Habsburgern geführten römischen Kaisertitels mit ihrem Stammland Österreich ab. Für ein Jahrhundert bildete der österreichische Kaisertitel fortan die symbolische Klammer für das zunächst Kaisertum Österreich
ab 1867 Österreich-Ungarn genannte habsburgische Vielvölkerreich; insbesondere der lang regierende Franz Joseph I. (1848-1916) wurde zur Personifizierung des "Kaisers" schlechthin
Dessen Großneffe und Nachfolger Karl I.
mußte 1918 auf die Regierung verzichten und ins Exil gehen. [Bearbeiten]
Kaiser außerhalb Europas
den japanischen Tenno
den Schah von Persien bzw
den indischen Großmogul
Seit der frühen Neuzeit hat es sich in Europa eingebürgert
auch die Herrscher bedeutender außereuropäischer Reiche als "Kaiser" zu bezeichnen: so den chinesischen Sohn des Himmels
Iran und den Negus Negesti (König der Könige) von Äthiopien
in Äthiopien 1974/75 und in Iran 1979 beendet und blieb - mit erheblichem Bedeutungswandel in den 1860er Jahren und erneut 1945 - lediglich in Japan bestehen. [Bearbeiten]
meist durch innere Umwälzungen in Indien 1858
Diese traditionelle Kaiserherrschaft wurde allerdings teils durch äußere
in China 1911/12
Der Osmanische Sultan
Auch der osmanische Sultan (Osmanisches Reich) konnte spätestens seit dem 15./16
Jahrhundert nicht nur kaiserliche Machtfülle
sondern auch kaiserlichen Rang beanspruchen
Seit der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 betrachteten sich alle osmanischen Sultane auch als Fortsetzer der byzantinischen Reichstradition und Herrschaftsansprüche (was freilich ideell bedingt war und in der Forschung nicht unumstritten ist)
sämtlich orientalische Äquivalente zum europäischen Kaisertitel
In arabisch-persisch-türkisch-mongolischer Misch-Tradition standen zwar im offiziellen Titel der osmanischen Herrscher die Bezeichnungen "Sultan" (auch "Sultan der Sultane")
"Padischah" (Großkönig) oder "Khan" (auch "Khan der Khane") ganz oben
Adrianopel und Bursa"
Darüber hinaus aber trugen die Osmanen-Herrscher auch den expliziten Titel eines "Kaisers der drei Städte von Konstantinopel
die Prinzen und Prinzessinnen des osmanischen Hauses waren selbstverständlich "Kaiserliche Hoheiten"
Entsprechend wurde der osmanische Sultan später auch im diplomatischen Verkehr von den europäischen Mächten als "Kaiserliche Majestät" anerkannt
Der Sturz des osmanischen Sultanats beendete 1922 dieses Kaisertum. [Bearbeiten]
Die Herrscher Annams
die traditionell die Oberhoheit über das Gebiet beanspruchte
In Südostasien nahmen ab 1806 die bisher als Könige firmierenden Herrscher von Annam Vietnam den Kaisertitel an - mit Genehmigung der Großmacht China
Die nach 1860 eindringenden französischen Kolonialherren übersetzten jedoch den vietnamesischen Kaisertitel ab 1884 gezielt als "König" und verweigerten ihm damit die Anerkennung
das jedoch nach wenigen Wochen in einen kommunistischen Norden und einen republikanischen Süden (zuerst unter französischer
kurzfristig ein "Kaiserreich Vietnam" proklamiert
Im Jahre 1945 wurde zugunsten des letzten Kaiser-Königs von Annam
Bao Dai (1926-1945)
dann unter US-amerikanischer Hegemonie) geteilt wurde
bevor er ins französische Exil ging. [Bearbeiten]
Exkaiser Bao Dai fungierte 1949-1955 als republikanischer Staatschef von Südvietnam
Kaiserreiche der Kolonialzeit
Außerhalb Europas kam es im 19
oft aus modernen europäischen Traditionen schöpfender Kaisertümer
Jahrhundert zu einer Reihe neugeschaffener
wobei der jeweilige König (oder die regierende Königin) von Großbritannien in Personalunion den Titel eines "Kaisers (oder einer Kaiserin) von Indien" führte
Fast alle diese Neuschöpfungen standen im Kontext des europäischen Imperialismus und Kolonialismus. Dies gilt vor allem für das 1876/77 von den herrschenden britischen Kolonialherren England neu gegründete "Kaiserreich Indien"
teils indirekte) britische Herrschaft in Indien symbolisch verklammern
Österreich und Deutschland sicherstellen
und er sollte außenpolitisch die Ranggleichheit des britischen Königreiches gegenüber den europäischen Kaiserreichen Russland
Dieser Kaisertitel besaß eine doppelte Funktion: Er sollte innenpolitisch die uneinheitliche (teils direkte
Erst im Zuge der Teilung des Kaiserreiches Indien in zwei unabhängige Staaten Indien und Pakistan verzichtete der britische König 1948 auf die Führung dieses indischen Kaisertitels
obschon diese antikolonialistisch gedacht war
Ebenfalls im imperialistisch-kolonialistischen Kontext steht die 1897 erfolgte Annahme des Kaisertitels durch den König von Korea
doch der Ausgang des japanisch-chinesischen Krieges zwang China 1895
die Unabhängigkeit Koreas anzuerkennen
Die koreanischen Könige standen traditionell unter der Oberherrschaft der Kaiser von China
Dieser Akt sollte aus japanischer Sicht allerdings nur die Vorstufe zur eigenen Kolonisierung Koreas sein
doch zeitweilig bildeten imperialistische Interessen Russlands ein Gegengewicht
Die Annahme des Kaisertitels durch den bereits seit 1864/73 regierenden König Kwang Mu symbolisierte vor diesem Hintergrund das koreanische Streben nach Gleichrangigkeit mit den Herrschern von Japan und China und den ernsthaften Willen zur Bewahrung der Unabhängigkeit
brach jedoch das dazu erforderliche Mächte-Gleichgewicht zusammen
Als Russland 1904/05 von Japan militärisch besiegt wurde
Der koreanische Kaiser mußte 1905 das "Protektorat" des japanischen Tenno akzeptieren und wurde - als zu eigenwillig - 1907 von den Japanern zur Abdankung gezwungen
und 1910 setzten die Japaner auch seinen Sohn und Nachfolger Kaiser Hyung Hui ab und machten der Unabhängigkeit des Landes auch formell ein Ende
Die japanische Kolonialherrschaft in Korea dauerte bis zu Japans Niederlage im Zweiten Weltkrieg 1945
von den Japanern 1910 zu Prinzen herabgestuft
Die beiden Ex-Kaiser
verstarben 1919 bzw
ihre Nachfahren leben in Südkorea
1926 in Korea
Eine japanische Kolonie war auch der 1932 geschaffene
jedoch international kaum anerkannte Staat "Mandschukuo" (Mandschu-Staat) in der von Japan besetzten chinesischen Provinz der Mandschurei
wobei die Mandschurei ans kommunistische China fiel
wurde 1934 von den Japanern zum Kaiserreich proklamiert
Dieser Staat
der mit der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg 1945 endete
der dort als Kinder-Kaiser (unter der Devise "Hsüan Tung") zwischen 1908 und 1912 "regiert" hatte und 1917 nochmals (vergeblich) von einem General zum Kaiser proklamiert worden war
Der Kaisertitel des Staatsoberhauptes ergab sich aus dessen Person - dem ehemaligen (und letzten) Kaiser von China
Pu Yi
das er als Stammland seiner Vorfahren - der chinesischen Mandschu-Dynastie - und damit als sein legitimes Erbe begriff
Pu Yi hatte bereits 1932 das Amt eines "Regenten" von Mandschukuo angetreten
Während der Kaiser von Mandschukuo (seine neue Devise lautete: "Kang Te") Wert darauf legte
waren die Japaner daran interessiert
symbolisch an die chinesische Kaisertradition anzuknüpfen (und damit weiterhin einen Herrschaftsanspruch über ganz China verband)
das Neuartige des Kaisertums von Mandschukuo herauszustellen
Dieses war faktisch nur eine japanische Marionettenregierung
wenn auch bei einem Staatsbesuch Pu Yis in Japan 1937 Ranggleichheit mit dem japanischen Tenno Hirohito demonstriert wurde
Pu Yi
nach langjähriger sowjetischer und chinesischer Haft zu einem musterhaften Bürger der neuen Volksrepublik China umerzogen
verstarb 1967 in Peking
Seine lesenswerte Autobiographie gab die Vorlage ab für den ebenso bemerkenswerten Bertolucci-Film "Der letzte Kaiser"
entferntere Angehörige des ehemaligen Kaiserhauses leben jedoch noch heute in China. [Bearbeiten]
Mit Pu Yis Bruder und früherem Thronfolger Pu Dschieh starb 1987 die engste männliche Linie der Tsching-Dynastie aus
Mittelamerikanische Kaiserreiche
In der Karibik und in Lateinamerika entstanden die im 19
Jahrhundert geschaffenen
meist kurzlebigen Kaisertümer zum einen aus antikolonialistischer Haltung
zum anderen in Anlehnung an das post-revolutionäre Militär-Kaisertum Napoleons I. in Frankreich
der bisherigen französischen Kolonie Saint Domingue
die sich in den 1790er Jahren durch einen blutigen Aufstand der bisherigen Negersklaven von der Vorherrschaft der Weißen zu befreien versuchte
Dieser ambivalente Kontext läßt sich zuerst in Haiti beobachten
wurden die Expeditionstruppen Napoleons 1804 letztlich doch zur Kapitulation gezwungen
Kolonialismus und Sklaverei gewaltsam aufrechtzuerhalten
Nachdem das revolutionäre Frankreich versucht hatte
wurde aber schon 1806 gestürzt und ermordet
proklamierte sich - ganz wie sein bisheriger Feind Napoleon I. - im Jahre 1804 zum "Empereur" Jacques I.
Jean-Jacques Dessalines
Der letzte Führer des schwarzen Unabhängigkeitskampfes
Henri Christophe
zwischen 1811 und 1820 als "König Henri I." regierte
Daraufhin spaltete sich Haiti bis 1820 in einen nördlichen und südlichen Teilstaat
wobei der Herrscher des Nordens
der seit 1847 regierende Faustin Soulouque
Auch in der 1820 vereinigten Republik Haiti nahm einer ihrer Präsidenten
den Kaisertitel an und regierte zwischen 1849 und 1859 als Faustin I.
bevor er 1859 ins Exil getrieben wurde
Seither ist Haiti eine (nach wie vor sehr instabile) Republik. Ähnliche antikolonialistisch-bonapartistische Ambivalenzen zeigt die Etablierung eines Kaisertums in Mexiko
das nach langjährigem Bürgerkrieg 1821 seine Unabhängigkeit von Spanien erkämpft hatte
Imperator) zu proklamieren
die er zuvor als spanischer Offizier bekämpft hatte
sich 1822 als Augustin I. zum Kaiser ("Emperador"
Dort gelang es dem Militärführer Augustin de Iturbide
der erst 1820 auf die Seite der Aufständischen gewechselt war
Bereits nach zehn Monaten wurde diese Monarchie 1823 beendet
und als der abgedankte und exilierte Iturbide 1824 sein Wort brach und nach Mexiko zurückkehrte
wurde er von republikanischen Truppen erschossen
Das zweite mexikanische Kaiserreich (1863-1867) war die Folge eines Bürgerkrieges zwischen Liberalen und Konservativen und des Bündnisses der letzteren mit einem ausländischen Imperialismus
Im Mai 1863 ließ der französische Kaiser Napoleon III
Mexiko durch seine Truppen besetzen
im Juli 1863 wurde die republikanische Staatsform durch ein Kaiserreich von französischen Gnaden ersetzt
was die internationale Legitimität des neuen Staates erhöhen und zugleich an die frühere (spanische) Habsburgerherrschaft in Mexiko (bis 1700) erinnern sollte
einen Bruder Franz Josephs I.
Zum neuen Kaiser wählten die mexikanischen Konservativen 1864 mit Zustimmung Napoleons den österreichischen Erzherzog Maximilian
adoptierte er 1865 die Nachfahren seines Vorgängers Iturbide und erklärte dessen Enkel Augustin zum Thronfolger - ein symbolischer Akt der Verschmelzung von alter und neuer Welt
Da der neue Kaiser kinderlos war
der gefangengenommene Habsburger ebenso wie einst Iturbide standrechtlich erschossen
die Republik wurde unter Benito Juarez wiederhergestellt
brach die Herrschaft Maximilians zusammen
Die gesellschaftliche Basis dieses Kaiserreiches war dennoch viel zu schwach: Als das französische Expeditionskorps 1867 abzog
Der adoptierte Thronfolger
Prinz Augustin de Iturbide
und verstarb 1925 im US-amerikanischen Exil
wurde erst 1890 von Präsident Porfirio Diaz verhaftet und enteignet
Mit ihm erlosch die männliche Linie dieses Kaiserhauses. [Bearbeiten]
Das Kaisertum von Brasilien
Einen interessanten Sonderfall postkolonialen Kaisertums bildet das Kaiserreich Brasilien
doch anders als der spanischen Königsfamilie war dem portugiesischen Hof (mit britischer Hilfe) 1808 die Flucht in die Übersee-Kolonie Brasilien gelungen
Die bisherige portugiesische Kolonie hatte im Unterschied zu den spanischen Nachbarkolonien Lateinamerikas im Zeitalter Napoleons I. eine ganz eigene Entwicklung genommen: Ähnlich wie in Spanien war Napoleon auch in Portugal einmarschiert und hatte dort das politische System der Kolonialmacht erschüttert
Brasilien und der Algarve"
Die auch dort aufkeimenden Unabhängigkeitsbestrebungen gingen daher eine Zeit lang mit der Reformbereitschaft der Monarchie konform: 1815 proklamierte der portugiesische Prinzregent (ab 1816: König Johann VI.) Brasilien zum gleichberechtigten Teil-Königreich eines "Vereinigten Königreiches von Portugal
so lange der königliche Hof in Rio de Janeiro residierte
Diese an das britische (unter seinen Teilen ebenfalls keineswegs gleichberechtigte) "Vereinigte Königreich" erinnernde Konstruktion hielt
Doch als König Johann und sein Hof 1821 nach Portugal zurückkehren mußten (wo sie schon lange verlangt wurden)
von der brasilianischen Unabhängigkeitsbewegung gestürzt zu werden oder sich an deren Spitze zu stellen
hatte der als Prinzregent in Rio zurückbleibende portugiesisch-brasilianische Kronprinz Peter nur noch die Wahl
indem er seinen Vater absetzte und jede Bindung an Portugal aufhob
als Peter I. zum Kaiser von Brasilien
Der offenbar durchaus vom südamerikanischen Caudillismo seiner Nachbarstaaten beeinflußte europäische Prinz wählte den zweiten Weg und erklärte sich
zumal Peter eine Erzherzogin des ultralegitimistischen Hauses Habsburg heiratete
Insofern war das neue Kaiserreich eine einzigartige Mischung aus bonapartistischer Illegitimität und dynastischer Kontinuität
Noch bemerkenswerter war
daß das Kaiserreich Brasilien sogar den Sturz seines Gründers 1831 überlebte
die diesen Machtwechsel erzwungen hatten
in Brasilien geborenen Kind-Kaiser als das offenbar beste Symbol staatlicher Einheit und als Mittel zur Bürgerkriegsvermeidung
und auch die Kräfte
entschieden sich für den neuen
Peter I. dankte zugunsten seines minderjährigen Sohnes und Thronfolgers Peter II. ab
und nur weil er sie klug im Stile eines konstitutionell-liberalen Bürgerpräsidenten zu führen wußte
bestand das Kaiserreich Brasilien ein weiteres halbes Jahrhundert
1840 übernahm Peter II. persönlich die Regierung
der Fortbestand der Dynastie nach dem Tode des regierenden Kaisers wurde fraglich
Der persönlich hochgeachtete Kaiser wurde jedoch alt
seine Tochter und sein französischer Schwiegersohn waren wenig populär
als die in Stellvertretung des abwesenden Kaisers agierende Kronprinzessin Isabella 1888 aus Gewissensgründen die Aufhebung der Sklaverei verfügte und damit einen Keil zwischen Dynastie und konservative Sklavenhalter trieb
Am Ende wurde das brasilianische Kaisertum von den sich zuspitzenden Konflikten zwischen Republikanern und unbeugsamen Konservativen in die Zange genommen
Ein Militärputsch zwang Peter II. schon 1889 zur Abdankung und die ganze Dynastie zum Verlassen des Landes
Der Ex-Kaiser starb 1891 im französischen Exil
die von seinem Schwiegersohn abstammende Linie der kaiserlich brasilianischen Prinzen von Orleans-Braganza existiert noch heute. [Bearbeiten]
Die Farce des Zentralafrikanischen Kaiserreichs
Als bizarr anmutender Epilog auf die bonapartistische Kaisertradition des 19
Jahrhunderts erscheint das kurzlebige postkoloniale Kaiserreich in der Zentralafrikanischen Republik
Der dort seit 1966 durch einen Putsch zur Macht gelangte Präsident Jean-Bedel Bokassa
ein früherer Unteroffizier der französischen Kolonialarmee
proklamierte sich 1977 zum "Empereur" und imitierte dabei die Selbstkrönung Napoleons I. mit in Paris hergestellten Krönungsinsignien
bereits 1979 wurde Bokassa gestürzt
Das Kaiserreich dieses Despoten wurde international kaum anerkannt und blieb kurzlebig
Das einzige heute noch bestehende Kaiserreich der Welt ist Japan. [Bearbeiten]
Liste der Kaiserreiche
[Bearbeiten]
Europäische Kaiserreiche
Rom Byzanz Heiliges Römisches Reich deutscher Nation Deutsches Reich Österreich Bulgarien Serbien Russland 1
Französisches Kaiserreich 2
Französisches Kaiserreich Osmanisches Reich [Bearbeiten]
Außereuropäische Kaiserreiche
China Japan Indisches Mogulreich Brasilien Persien Äthiopien Haiti Annam (heute Vietnam) Korea Mexiko Mandschukuo Zentralafrika [Bearbeiten]
Siehe auch
Herrscher Liste der Referenztabellen#Personen Monarchie Regierungsform Römische Kaiser [Bearbeiten]
Literatur
Bd
Lexikon des Mittelalters
Sp
5
einschließlich weiterführender Literatur) da:Kejser en:Emperor eo:Imperiestro es:Emperador et:Keiser fr:Empereur ja:皇� nl:Keizer pl:Cesarz sv:Kejsare zh:皇�
851 ff. (zum Kaisertum in Byzanz und im Heiligen Römischen Reich
[X] Schliessen
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