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Vor noch nicht allzu langer Zeit erstrahlte alles, was mit dem magischen 'e' versehen wurde, hell in renditeträchtiger Aura. Auch das elektronische Lernen — e-Learning — ist als betriebswirtschaftliche und bildungspolitische Heilsbotschaft begriffen worden und hat ganz immens verschiedene Fantasien beflügelt: atemberaubend waren prognostizierte Zuwachsraten, Einsparpotentiale und Synergieeffekte. Das Thema ist inzwischen um viel Hype bereinigt worden, die ganz heißen Erwartungen sind auf ein realistisches Maß abgekühlt. Fatalistische Folgerungen sollte dies aber nicht ermutigen, denn der elektronische Karren ist mitnichten gänzlich vor die Wand gefahren. Vielmehr ist das immense Potential von E-Learning von größenwahnsinnigen Vorhersagen relativ unberührt geblieben. Kurzum: elektonisches Lernen ist weiterhin entschieden auf dem Vormarsch. Verschiedene Umfragen, Studien und Analysen stimmen darin überein, dass die Verbreitung bis ins Jahr 2005 um weitere 30 Prozent zunehmen wird. Kosten für die innerbetriebliche Weiterbildung deutscher Unternehmen könnten in diesem Szenario um bis zu 30 Prozent reduziert werden — ein beträchtlicher Posten angesichts der jährlichen Gesamtausgaben von circa 30 Millarden Euro. Produkte, Programme und Kurse elektronischen Lernens werden differenzierter, benutzerfreundlicher und kostengünstiger. Das Sortiment wächst sowohl in die Breite als auch in die Tiefe. E-Learning hat den beruflichen Alltag vieler Menschen rasant verändert; und der elektronische Einfluß wird weiter wachsen. Hier muss indes eine Einschränkung gemacht werden: die reine Lehre des Elektronischen kommt in Weiterbildungsbelangen nur bedingt an, vollständig virtuelle Lernumgebungen sind vom Gros der E-Azubis offenbar nicht erwünscht. Aus gegebenen technologischen Möglichkeiten und gegenwärtigen menschlichen Bedürfnissen ergibt sich so ein Mengungsverhältnis, das mit dem Begriff blended learning ("vermischtes Lernen") bezeichnet wird: die Verbindung von herkömmlichen Lernformen (Präsenzveranstaltungen) mit unterschiedlichen elektronischen Formaten. Wissenschaflter, Forscher und Entwickler verweisen gelegentlich darauf, dass entscheidende Innovationsimpulse beim Plaudern in den Kaffeepausen entstehen. Entsprechend mag E-Learning betriebs- oder sonstwie wirtschaftlich auch nur in der Kombination mit zugegebenermaßen altmodischen Formen des "Zwischen-Menschelns" effektiv sein. Wenn man nur davon absehen könnte, den sogenannten menschlichen Faktor allein als Fehlerquelle und Risikogröße ins Kalkül zu nehmen, wäre dies auch gar kein so schlimmes Fazit. Frank Wegner
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